Mein Statement zu Pradip
Als Anja – damals meine neue Kollegin an der Europäischen Schule – am Strand von Alicante von ihrem Projekt „Pradip“ erzählte, war ich sofort begeistert. Aus der spontanen Frage „Kann ich vielleicht mal mit?“ wurde ein Plan, den wir im Jahr 2016 in die Tat umgesetzt haben. Bis heute zählt diese Reise nach Kalkutta zu meinen bisher prägendsten Erlebnissen. Ich war überwältigt von den vielen Menschen auf der Straße und deren Lebensbedingungen, aber auch beeindruckt von der farbenfrohen Lebensfreude und positiven Stimmung in den Zentren der Woman´s Interlink Foundation, in denen wir so herzlich begrüßt wurden.
Ich hatte das Glück, die beiden wichtigsten Partner von „Pradip“ kennenlernen zu dürfen: Aloka Mitra, die Gründerin von WIF, und K.C., den Gründer der Hilfsorganisation „Familia“. Die Schule und das Altenheim waren damals noch im Aufbau. Dort auf dem Land, umgeben von Reisfeldern, außerhalb des Smogs, der Verkehrsdichte und der Menschenmassen Kalkuttas, herrschte eine idyllische Atmosphäre. Es ist für mich noch heute unfassbar, welch wunderbaren Ort dieser liebenswerte Mensch in seinem Leben aufgebaut hat und mit welchem Mut und Optimismus er sich immer neue Aufgaben gestellt und diese angepackt hat.
Die unbändige Energie und Herzlichkeit, die beide – K.C. und Aloka – ausgestrahlt haben, waren für mich ebenso inspirierend wie deren Einsatz für ihre jeweiligen Hilfsorganisationen. Ich hatte den Wunsch, etwas davon „mitzunehmen“ und nicht nur Familie und Freunden, sondern auch meinen Schüler:innen etwas von meiner Erfahrung mitzuteilen. So entwickelte ich zusammen mit Aloka das Projekt „Welcome to my world“: ein Erfahrungsaustausch mit Hilfe von Kunst. Sowohl die Kinder in den verschiedenen WIF-Zentren Kalkuttas als auch die Schüler:innen der Europäischen Schule Alicante erstellten Kunstwerke, die ihren Alltag, ihre Wünsche und ihre Zukunftsträume darstellten. Es war bis heute mein aufwendigstes Kunstprojekt, das mit einer großen Ausstellung der verschiedenen Bilder und Lebenswelten endete.
Was ich sonst noch „mitgenommen“ habe? Abgesehen von einem Schwung wunderschön gemusterter farbenfroher Seidentücher (von denen wir einige auf Schulfesten verkauft haben), habe ich die Gewissheit mitgenommen, dass jeder einzige Cent bei „Pradip“ genau an der richtigen Stelle landet. Anja und ihre jeweiligen Begleiter:innen zahlen die Reisekosten selbst und es entstehen keinerlei Verwaltungskosten. Es gibt einen unabhängigen Buchprüfer in Kalkutta, der die Buchhaltung der Partnerorganisationen ebenso akribisch im Blick behält wie Anja. Es ist erstaunlich, wie viel man mit einem noch so geringen Spendenbetrag in Kalkutta erreichen kann.